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    25.11.2011

    Grüne Lackierung

    Das Fahrerhauswerk von Volvo Trucks in Umeå bietet seinen Kunden mehr als 850 Farben zur Auswahl. Am stolzesten ist das Werk jedoch darauf, dass es die weltweit umweltfreundlichste Lackiererei besitzt.

    Im Werk in Umeå ist nichts unmöglich, wenn sich der Kunde eine Farbe aussucht.

    „Es war einmal ein Kunde hier zu Besuch, der seine Frau dabei hatte“, erzählt Denny Westerlund von der Informationsabteilung der Fabrik. „Sie war Lkw-Fahrerin. Als wir ihn fragten, welche Farbe er wünschte, wandte er sich an seine Frau. Sie war zwar etwas erstaunt über die Frage, hielt aber nach einer Weile ihre lackierten Nägel hoch und sagte: 'Ich will das Fahrerhaus genau in dieser Farbe haben.'“

    Gesagt, getan. Es wurde eine Probe vom Nagellack genommen und Tests durchgeführt, berichtet Denny Westerlund.

    „Am Ende bekam sie ein Fahrerhaus, das exakt der Farbe der Nägel entsprach. Das ist natürlich ein Extrembeispiel, aber auch ein Beweis dafür, was wir zu leisten imstande sind.“

    Am stolzesten ist man jedoch auf die Umweltarbeit. Viele Jahre lang wurde äußerst zielbewusst daran gearbeitet, eine Lackiererei zu werden, die in puncto Ausstoß von Lösungsmitteln in die Luft und Energieeffizienz Weltrang besitzt. Jedes Glied im Prozess wurde bis ins Kleinste geplant. Alle wurden ermuntert, Vorschläge und Ideen einzubringen, umfangreiche Investitionen wurden getätigt.

    Und das sorgte für hervorragende Ergebnisse. Zwischen 1999 und 2008 wurde der Energieverbrauch um 30 Prozent gesenkt. Zwar ist die Zahl an sich nicht Aufsehen erregend, doch sie wird es dadurch, dass der Umfang der Lackiertätigkeit im selben Zeitraum deutlich zugenommen hat. Einer der Gründe sind die Kunststoffkomponenten, die vorher im Werk in Belgien, jetzt aber hier lackiert werden.

    „Wenn an verschiedenen Orten lackiert wird, kann man nur sehr schwer den gleichen Farbton bei Details und Fahrerhaus hinbekommen. Deshalb machen wir das jetzt hier“, berichtet Hans Wenngren, Prozessverantwortlicher für Oberflächenbehandlung.

    Die Energieeinsparungen wurden UNTER ANDEREM durch die Wiederverwendung von Luft in Sprühkammern und Räumen erreicht. Die Raumluft dient als Zuluft für den Prozess und die Luft in den Sprühkammern wird zu 75 Prozent wiederverwendet. Dadurch ließ sich der Bedarf an zugeführter Außenluft drastisch senken. Auch eine bessere Betriebsplanung mit Anlagenabschaltung, beispielsweise bei Betriebsstörungen oder Stockungen im Fahrerhausdurchfluss, hat zur Senkung des Energieverbrauchs beigetragen. Eine weitere Maßnahme war die Installation energieeffizienter Elektromotoren.

    „Und wir haben damit begonnen, den Kunststoff zusammen mit dem Fahrerhaus zu lackieren. Dadurch musste die Temperatur in den Lackhärtungsöfen um gut 50 Grad verringert werden, was natürlich den Energiebedarf reduzierte. Und weil wir niedrigere Temperaturen brauchten, konnten wir außerdem bei der Ofenbeheizung von Flaschengas zu Fernwärme übergehen“, erzählt Hans Wenngren.

    Fernwärme hat auch das Öl in der Beheizung ersetzt, und nun soll das verbleibende Flaschengas in den Nachverbrennungsanlagen durch DME aus Biomasse ersetzt werden. Doch eine der spektakulärsten Energieeinsparungen ist die Kühlung in der Fabrik. Unmittelbar neben der Lackiererei liegt der Fluss Umeälv. Darunter fließt ein unterirdischer Eisbach, der zu jeder Jahreszeit kalt ist. Das kalte Wasser wird über eine zwei Kilometer lange Rohrleitung in das Leitungssystem der Fabrik eingespeist.

    „Das Wasser nutzen wir dann in verschiedenen Kühlsystemen. Dadurch konnten wir viele Kühlmaschinen mit Kältemitteln wie Freon austauschen“, berichtet Hans Wenngren.

    In mehreren Schritten ist die Lackiererei modernisiert und die Produktion effizienter gemacht worden, was zu einer deutlichen Senkung des Verbrauchs von Farbe und Lösungsmitteln sowie des Schadstoffausstoßes in die Luft führte. 1988 betrug dieser Ausstoß etwa 70 Gramm pro Quadratmeter Fahrerhausfläche.

    „Heute liegt die entsprechende Zahl bei weniger als zehn Gramm, also erheblich unterhalb des EU-Grenzwertes von 55 Gramm pro Quadratmeter. Auch wenn noch ein Stück des Weges vor uns liegt, sind wir sehr zufrieden mit der Arbeit, die wir geleistet haben“, freut sich Hans Wenngren.

    Text: Jenny Palm  Fotos: Sören Håkanlind

    KATEGORIEN:
    Sonstiges, Umweltschutz, Sonstiges
    TAGS:
    Umeå, Schweden, Lackiererei, Farben

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